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Post aus einem Schweizer Internierungslager nach Gotenhafen

Nach der Flucht der polnischen Regierung vor der Wehrmacht im September 1939 formte sich die international anerkannte polnische Exilregierung zunächst in Paris, später in London. Sie begann so­ gleich mit der Bildung einer polnischen Armee in Frankreich, aus Tei­len geflohener polnischer Soldaten und Auslandspolen. Es gelang dabei, über 40 Tausend Mann über Rumänien aus Polen zu evakuieren, gleichzeitig meldeten sich viele polnische Emigranten in Frank­ reich freiwillig zum Dienst an der Waffe.

Nach dem Fall von Paris drängten deutsche Panzerverbände das 45. französische Armeekorps in den Jura ab. General Marius Daille er­ suchte, um Kriegsgefangenschaft zu entgehen, deutscher den schweizerischen Bundesrat um Asyl, was dieser am 20. Juni 1940 gewährte. In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni erfolgte der Übertritt von 12.000 Franzosen und 16.000 Polen über den Doubs

(darunter 12.500 Polen der 2. Schützendivision), 7800 Pferde und 1600 Motor­fahrzeuge samt Material und Munition bei den Grenzübergängen in der Nähe von Goumois.

Insgesamt nahm die Schweiz ab Juni 1940 rund 104.000 Militäran­ gehörige aller Kriegsparteien als Internierte auf und brachte sie in rund 600 Lagern in verschiedenen Landesteilen unter. Dabei wurden auch Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und geflohene Kriegsge­fangene als Internierte aufgenommen. Einzig Angehörige der SS und einiger anderer deutscher Militärverbände wurden abgewiesen.

Eines der Internierungslager war der kleine Ort Elgg im Kanton Zürich. Dieser nahm zwischen 1940 bis 1945 eine größere Zahl internierte ausländische Soldaten auf, u. a. 216 französische Offiziere und Soldaten, einen polnischen General mit 30 Offizieren und 15 Unteroffizieren, ab 1943 kamen 252 Engländer, Australier, Neuseeländer und Südafrikaner dazu. Von Januar bis August 1945 wurden rund 200 italienische Flüchtlinge in Elgg untergebracht.

Rückschein für ein Paket aus dem Internierungsla­ger Elgg bei Zürich vom 5. Juni 1943 nach Gotenhafen ­Adlershorst. Der Absender, Hauptmann Andrzej Potoczek war Stabschef der Versor­gungsabteilung und Zahl­ meister der 2. Schützendivision (Dywizja Strzelców Pieszych), die 1940 Teil der neu auf­ gestellten polnischen Ar­mee in Frankreich war und dem 45. Festungsar­meekorps zugeteilt wur­de.

Die Feldpost organisierte ab Juni 1940 den Postverkehr der Inter­nierten und richtete dafür in der Nähe von Bern eine Stelle für Inter­niertenpost ein. Während des Kriegs wurden insgesamt rund 24 Millionen Sendungen von und für Kriegsinternierte verschickt. Ob­ wohl die Schweiz nicht dazu verpflichtet gewesen wäre, gewährte sie den Internierten gleich wie den Schweizer Armeeangehörigen Porto­freiheit.

Die Franzosen wurden nach dem Waffenstillstand Deutschlands mit Frankreich ab Februar 1941 nach Frankreich repatriiert. Die rund 15.000 Polen waren die einzige Interniertengruppe, die bis Kriegsen­de und teilweise darüber hinaus ständig in der Schweiz blieb.

Literatur: Karl Mietlich, Geschichte der Gemeinde Elgg