Ein teilfrankierter Brief aus Speyer
Brief von 1761 über Rheinhausen und Straßburg nach St. Diez in Lothringen
Historische Briefe sind besonders reizvoll, wenn sich ihr Weg noch genau nachvollziehen lässt. Genau das ist bei diesem teilfrankierten Brief aus dem Jahr 1761 der Fall. Der Beleg wurde beim Kaiserlichen Reichspostamt der Freien Reichsstadt Speyer aufgegeben und lief über Rheinhausen und Straßburg weiter nach St. Diez in Lothringen.
Schon dieser Leitweg macht den Brief außergewöhnlich. Er zeigt nicht nur einen einfachen Versand von Ort zu Ort, sondern einen grenzüberschreitenden Postlauf über mehrere Posträume hinweg. Zugleich gewinnt der Brief zusätzlich an Bedeutung, weil sein Absender Friedrich Wilhelm Ublaub, Kaufmann und Bürgermeister der Freien Reichsstadt Speyer, war.
Damit verbindet dieser Beleg Postgeschichte, Stadtgeschichte und internationale Weiterleitung auf besonders anschauliche Weise.
Ein Brief aus Speyer mit Auslandsziel
Der Brief wurde in Speyer aufgegeben und war an Claude Gaillot in St. Diez en Lorraine adressiert. Bereits das macht ihn bemerkenswert, denn er zeigt eine direkte Verbindung aus der Freien Reichsstadt Speyer in den lothringischen Raum.
Anders als bei rein innerdeutschen oder lokalen Briefen ist hier eine mehrstufige Weiterleitung erkennbar. Die Sendung blieb nicht in einem einzigen Postgebiet, sondern wurde über verschiedene Stationen und Zuständigkeiten transportiert. Solche Belege sind für die Postgeschichte besonders wertvoll, weil sie konkrete Wege und Zuständigkeitswechsel sichtbar machen.
Der Brief ist damit ein schönes Beispiel dafür, wie weit die Kommunikationsverbindungen Speyers im 18. Jahrhundert reichten.
Teilfrankiert: nur bis Straßburg bezahlt
Postgeschichtlich besonders wichtig ist, dass es sich um einen teilfrankierten Brief handelte. Der Vermerk „fro Strasburg“ zeigt, dass der Absender die Beförderung nur bis Straßburg bezahlte.
Für diesen Abschnitt entrichtete der Absender in Speyer 6 Kreuzer. Von Straßburg aus lief die Sendung dann weiter nach St. Diez, wo der Empfänger 6 sou zu zahlen hatte.
Gerade diese Aufteilung der Gebühren macht den Brief besonders anschaulich. Sie zeigt, wie sich die Kosten bei grenzüberschreitender Post im 18. Jahrhundert zwischen Absender- und Empfängerbereich verteilen konnten. Der Beleg ist damit nicht nur wegen seines Weges, sondern auch tarifgeschichtlich sehr interessant.
Der Leitweg: Speyer – Rheinhausen – Straßburg – St. Diez
Besonders reizvoll ist der klar erkennbare Leitweg dieses Briefes. Vom Kaiserlichen Reichspostamt in Speyer lief die Sendung zunächst nach Rheinhausen. Dort wurde beim Wechsel der Postrichtung der schwarze Stempel „R:HAUSEN“ abgeschlagen.
Dieser Stempel ist eines der wichtigsten postalischen Merkmale des Briefes. Er dokumentiert den Zwischenort des Postwechsels und macht die Weiterleitung über Rheinhausen konkret nachvollziehbar. Von dort ging der Brief weiter nach Straßburg und schließlich nach St. Diez in Lothringen.
Der Brief ist damit ein schönes Zeugnis für Postwechsel, Weiterleitung und internationale Verbindungen im 18. Jahrhundert.
Der Absender: Friedrich Wilhelm Ublaub
Zusätzlich gewinnt der Brief durch seinen Absender erhebliches stadtgeschichtliches Gewicht. Laut Begleittext stammte das Schreiben von Friedrich Wilhelm Ublaub, einem Kaufmann und von 1758 bis 1780 Bürgermeister der Freien Reichsstadt Speyer.
Damit ist der Brief nicht nur ein postalisch interessanter Beleg, sondern zugleich ein Dokument aus dem Umfeld der Speyerer Stadtführung. Solche Briefe zeigen sehr anschaulich, dass städtische Repräsentanten und wirtschaftlich aktive Persönlichkeiten in weitgespannte Kommunikationsnetze eingebunden waren.
Der Beleg ist damit auch ein Stück Speyerer Stadtgeschichte aus erster Hand.
Ein Brief zwischen Reichspost und Auslandsweiterleitung
Gerade in seiner Gesamtheit ist dieser Brief besonders aussagekräftig. Er zeigt:
- die Aufgabe beim Kaiserlichen Reichspostamt Speyer
- den Postwechsel in Rheinhausen
- die Weiterleitung über Straßburg
- den Empfang in St. Diez in Lothringen
- und die Gebührenaufteilung zwischen Absender und Empfänger
Damit wird aus einem einzelnen Brief ein kleines, aber sehr präzises Dokument des frühneuzeitlichen Postverkehrs. Der Beleg verdeutlicht, wie organisiert, gestuft und zugleich flexibel die Nachrichtenwege im 18. Jahrhundert waren.
Fazit
Der teilfrankierte Brief von 1761 ist ein besonders schöner Beleg der Postgeschichte Speyers. Er wurde beim Kaiserlichen Reichspostamt der Freien Reichsstadt Speyer aufgegeben, lief über Rheinhausen und Straßburg nach St. Diez in Lothringen und dokumentiert damit einen grenzüberschreitenden Postweg über mehrere Zuständigkeitsbereiche hinweg.
Besonders reizvoll sind der schwarze Stempel „R:HAUSEN“, die Teilfrankatur „fro Strasburg“, die Gebührenaufteilung mit 6 Kreuzern und 6 sou sowie der prominente Absender Friedrich Wilhelm Ublaub.
Gerade dadurch verbindet dieser Brief Postgeschichte, Tarifgeschichte und Speyerer Stadtgeschichte in einem einzigen Beleg.