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KÖNIGREICH BAYERN – ERSTE FLUGPOST IN
DER PFALZ ­ SPEYER/MANNHEIM

5­Pfg.­Postkarte vom 17.Mai 1914 mit bayerischem zwölfeckigem Flug­ Poststempel Speyer ­Mannheim.
Karte nach Berlin mit Nachsendung nach Magdeburg.

Anlässlich des Prinz-Heinrich-Fluges, eines Zuverlässigkeits-Wettbewerbs, lag Speyer an einer der Kontrollstationen. Auf dem Flug von Speyer nach Mannheim konnten neben der Postbeförderung auch Privatpersonen mitfliegen. Es sollen nur 89 Poststücke auf diesem Flug befördert worden sein, während in der Gegenrichtung Mannheim–Speyer einige tausend Stücke geflogen wurden. Besondere Flugpostmarken gab es damals noch nicht; auch die Frankierung der Poststücke erfolgte nach der normalen Gebührenordnung – ohne jeglichen Zuschlag.

Gerade der Vergleich der beiden Flugrichtungen macht den Beleg besonders interessant. Während auf dem Flug Speyer–Mannheim nur 89 Poststücke befördert worden sein sollen, wurden in der Gegenrichtung Mannheim–Speyer einige tausend Sendungen transportiert. Damit gehört die hier gezeigte Karte zu den selteneren Zeugnissen dieser frühen Flugpostverbindung.

Der Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein, nach Übernahme der Schirmherrschaft durch Prinz Heinrich von Preußen ab 1913 auch Prinz-Heinrich-Flug genannt, war ein Zuverlässigkeitswettbewerb für deutsche Flugzeuge, der in den Jahren 1911 bis 1914 ausgetragen wurde. Der Wettbewerb diente der Erprobung der neuesten deutschen Flugmodelle unter Praxisbedingungen und war vorwiegend militärisch ausgerichtet. Das Programm bestand aus einem Mehr-Etappen-Flug und Luftaufklärungsübungen. Teilnahmeberechtigt waren Offiziere des deutschen Heeres und der Kaiserlichen Marine sowie deutsche Zivilisten, sofern sie von einem im Deutschen Luftfahrt-Verband organisierten Verein vorgeschlagen wurden. Die Flugzeuge mussten in Deutschland gebaut worden sein und den Anforderungen eines Militärflugzeugs genügen. Während 1911 die Zivilisten unter den Teilnehmern in der Mehrheit waren, kehrte sich das Verhältnis in den Folgejahren um. Für die erfolgreichsten Piloten waren gut dotierte Preise in mehreren Kategorien ausgeschrieben. Demjenigen, der die Gesamtstrecke in der kürzesten Zeit zurücklegte, winkte als Hauptgewinn der Kaiser-Preis. Am Rande der Veranstaltung fanden an den Etappenorten Flugtage mit Volksfestcharakter statt, die aufgrund der allgemein herrschenden Begeisterung für die Luftfahrt gut besucht waren.

Die Wettbewerbe im Einzelnen

Der Prinz-Heinrich-Flug entwickelte sich von Jahr zu Jahr weiter und gewann zunehmend an Bedeutung. Die einzelnen Wettbewerbe zeigen, wie sich Streckenführung, Anforderungen und der Charakter der Veranstaltung zwischen 1911 und 1914 verändert haben.

1911
Der Wettbewerb des Jahres 1911 fand vom 19. bis 27. Mai statt. Geplant war die Strecke Baden-Baden – Freiburg – Mülhausen – Straßburg – Karlsruhe – Heidelberg – Mannheim – Mainz – Frankfurt am Main – Darmstadt. Wegen ungünstiger Wetterbedingungen begann der Zuverlässigkeitsflug allerdings mit einem Tag Verspätung erst am 21. Mai. Überschattet wurde die Veranstaltung von einem tragischen Unfall: Charles Laemmlin kam am 23. Mai beim Absturz seines Aviatik-Zweideckers ums Leben.

1912
Der Wettbewerb des Jahres 1912 wurde vom 12. bis 23. Mai ausgetragen. Die Strecke führte von Straßburg über Metz, Saarbrücken, Mainz, Frankfurt am Main, Karlsruhe und Freiburg bis nach Konstanz. In diesem Jahr nahmen auch drei Zeppelin-Luftschiffe teil: der LZ 10 „Schwaben“, der LZ 11 „Viktoria Luise“ und der LZ 12 (Z III), der von Graf Zeppelin persönlich geführt wurde. Neben Aufklärungsflügen wurden auch Passagiere mitgenommen. Der Wettbewerb war erneut von Pannen und Unfällen geprägt, forderte jedoch keine Todesopfer. Das Ziel in Konstanz erreichten schließlich nur vier Teilnehmer.

1913
Im Jahr 1913 fand der Wettbewerb vom 10. bis 17. Mai statt. Die Strecke verlief über Wiesbaden, Kassel, Koblenz, Karlsruhe, Stuttgart und Straßburg. Erstmals trug die Veranstaltung die Bezeichnung „Prinz-Heinrich-Flug“. Neben dem Mehr-Etappen-Flug gehörte auch ein Aufklärungsflug von Straßburg nach Freiburg zum Programm, an dem sich das Luftschiff LZ 17 „Sachsen“ unter Führung von Hugo Eckener beteiligte. Den Sieg in der Zuverlässigkeitsprüfung errang Leutnant Ferdinand von Hiddessen. Zum Gesamtsieger wurde jedoch Leutnant Ernst Canter erklärt, der in den Aufklärungsübungen besonders erfolgreich war.

1914
Der zweite Prinz-Heinrich-Flug des Jahres 1914 wurde vom 17. bis 25. Mai über fünf Etappen und eine Gesamtstrecke von rund 2600 Kilometern ausgetragen. Die Strecke führte von Darmstadt über Mannheim, Pforzheim, Straßburg, Speyer, Worms, Wiesbaden, Koblenz, Frankfurt am Main, Marburg, Kassel, Braunschweig, Hamburg, Hannover, Minden, Herford, Münster, Osnabrück, Bremen bis nach Köln. Die erste Etappe verlief von Darmstadt über Mannheim, Pforzheim und Straßburg nach Frankfurt. Für den hier behandelten Beleg ist dieses Wettbewerbsjahr von besonderer Bedeutung, weil Speyer und Mannheim unmittelbar in den Verlauf dieses historischen Luftfahrt-Ereignisses eingebunden waren. Den Kaiser-Preis gewann Leutnant Rudolf von Thüna. Zugleich war der Wettbewerb von schweren Unglücken überschattet: Vier Offiziersflieger kamen während der Veranstaltung ums Leben.

Einordnung
Die Übersicht der Wettbewerbsjahre macht deutlich, dass der Prinz-Heinrich-Flug weit mehr war als ein einzelner Flugtag. Er war Teil einer Entwicklung, in der sich frühe Luftfahrt, militärische Erprobung und öffentliche Begeisterung miteinander verbanden. Der hier gezeigte Flugpostbeleg aus Speyer steht damit nicht isoliert, sondern in einem größeren historischen Zusammenhang.

Skizze des Prinz-Heinrich-Flugs 1914 mit dem Verlauf der Etappen und der Einordnung von Mannheim und Speyer in die Gesamtstrecke.

 

 

Die Skizze des Prinz-Heinrich-Flugs 1914 verdeutlicht, dass Speyer und Mannheim Teil eines größeren luftfahrtgeschichtlichen Zusammenhangs waren. Der Wettbewerb wurde vom 17. bis 25. Mai 1914 über fünf Etappen und eine Gesamtstrecke von rund 2600 Kilometern ausgetragen. Die erste Etappe führte von Darmstadt über Mannheim, Pforzheim und Straßburg nach Frankfurt. Damit standen auch Speyer und Mannheim nicht isoliert, sondern innerhalb eines weit gespannten Streckennetzes, das den Oberrhein mit weiteren wichtigen Stationen des Wettbewerbs verband.

 

 

 

 

 

Detailansicht der 5-Pfennig-Frankatur mit bayerischem Flugpoststempel Speyer–Mannheim vom 17. Mai 1914.

Auch philatelistisch ist der Beleg bemerkenswert. Besondere Flugpostmarken gab es im Jahr 1914 noch nicht. Die Frankierung erfolgte nach der normalen Gebührenordnung und damit ohne jeden Zuschlag. Gerade diese Verbindung aus früher Luftpost, regulärer Frankatur und seltener Beförderung macht die gezeigte Karte heute besonders reizvoll.

Der Beleg aus Speyer steht damit nicht nur für eine frühe Flugpostverbindung zwischen Speyer und Mannheim, sondern auch für ein spannendes Kapitel deutscher Luftfahrt- und Postgeschichte. Er verbindet regionale Geschichte, Wettbewerb, Technik und Philatelie auf besonders anschauliche Weise.