Zum Hauptinhalt springen

Wie aus ersten Briefmarken
echte Sammelleidenschaft wurde

Erinnerungen an die Jugendgruppenzeit beim BSV Speyer in den 1970er Jahren

Manchmal beginnt eine Leidenschaft ganz unscheinbar. Ein Album, ein paar Marken, ein erster genauer Blick – und plötzlich öffnet sich eine ganze Welt. So ähnlich war es auch hier: Die Faszination für Briefmarken war schon in der frühen Kindheit da. Besonders prägend war das blaue Briefmarkenalbum des Vaters mit seinen vielen Marken aus aller Herren Länder. Noch spielte es keine Rolle, ob eine Marke wertvoll war oder nicht. Entscheidend war die Freude am Entdecken.

Im Jahr 1977 wurde daraus mehr. Damals erfolgte der Eintritt in den BSV Speyer. Ein etwas älterer Jungsammler aus dem Heimatort hatte dafür begeistert und den entscheidenden Anstoß gegeben. Aus dem eher kleinen Briefmarkensammler wurde damit beinahe über Nacht ein ernsthafter und engagierter Nachwuchsphilatelist. Auch der Begriff Philatelie eröffnete plötzlich eine neue, spannende Welt.

Der Weg in die Jugendgruppe

Einmal im Monat fanden in der Roßmarktschule in Speyer die Tauschzusammenkünfte statt, die von Georg Kapp geleitet wurden. Mit dem Fahrrad und einer Tasche voller Briefmarkenalben auf dem Gepäckträger ging es von Heiligenstein nach Speyer. Schon während der Woche wuchs die Vorfreude auf dieses Treffen. Pünktlichkeit war selbstverständlich, und wenn Herr Kapp mit seinem Auto vorfuhr, war das immer ein besonderer Moment. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er allerlei Material dabeihatte, das für die Jugendlichen von großem Interesse war.

Besonders eindrucksvoll war die UV-Lampe, die damals fast wie eine kleine Wunderlampe wirkte. Hinzu kam das, was für viele wohl das Größte war: die berühmte „Wühlkiste“, in der gestöbert werden durfte und in der sich immer wieder kleine Schätze entdecken ließen. Doch es ging nie nur um das Finden. In der Jugendgruppe wurde gelernt, beobachtet, verglichen und miteinander gesprochen.

Lernen, sehen, verstehen

Bei Georg Kapp ging man als junger Sammler gewissermaßen in die Lehre. Dort lernte man nicht nur Marken kennen, sondern auch ihre Unterschiede: Papierarten, Stempelarten, Zähnungen und den sachgerechten Umgang mit Lupe und Pinzette. Auf diese Weise wurde aus dem bloßen Sammeln nach und nach ein genaueres Hinsehen. Aus Neugier wurde Wissen.

Gerade das machte diese Zeit so wertvoll. Briefmarkensammeln war nicht nur das Einstecken von Marken in ein Album. Es förderte Aufmerksamkeit, Genauigkeit und Allgemeinbildung. Wer sich mit Briefmarken beschäftigte, lernte ganz nebenbei viel über Länder, Geschichte, Motive, politische Zusammenhänge und kulturelle Besonderheiten. Rückblickend war das weit mehr als ein Freizeitvertreib – es war eine Form des Entdeckens und Verstehens.

Gemeinschaft und Haltung

Die Jugendgruppe war nicht nur ein Ort für das Hobby, sondern auch ein Ort des Miteinanders. Georg Kapp legte großen Wert auf Disziplin, Fairness und Rücksichtnahme. Jeder durfte stöbern, jeder durfte lernen, aber immer mit Blick auf die anderen. Geschäftssinn auf Kosten der Gemeinschaft war nicht erwünscht. Für ihn zählte nicht, wer viel hatte, sondern dass die Jugendlichen die Philatelie als sinnvolles und erfüllendes Hobby begriffen.

Gerade diese sozialen Aspekte prägten die Gruppe. Aus heutiger Sicht wird deutlich, wie wichtig diese Atmosphäre war. Es ging um Gemeinschaft, um gegenseitigen Respekt und um die Freude an einem Hobby, das Menschen zusammenbrachte. Rückblickend bleibt diese Zeit als harmonisch, lehrreich und persönlich prägend in Erinnerung.

Wenn Sammeln zu echter Leidenschaft wird

Die intensivsten philatelistischen Jahre lagen etwa zwischen 1977 und 1982. In dieser Zeit wurde viel gesammelt, sortiert und ergänzt. Besonders gesammelt wurde die Bundesrepublik Deutschland, vorwiegend gestempelt. Das war nicht nur günstiger als postfrisch, sondern auch reizvoller, weil gestempelte Marken ihren postalischen Zweck bereits erfüllt hatten und die Abschläge zusätzliche Informationen boten. Wichtig waren gut lesbare Rundstempel mit Datum und Ort; zu dicke, zu dünne oder Wellenstempel waren dagegen wenig beliebt.

Die Bedeutung des Rundsendedienstes

Eine besonders wichtige Rolle spielte dabei der Rundsendedienst des BSV Speyer. Über ihn konnten immer wieder Marken gefunden werden, die noch fehlten oder auf die man schon lange gehofft hatte. Für kleines Geld ließen sich Ergänzungen für die eigene Sammlung erwerben, gelegentlich auch kleine Schätze. Der Rundsendedienst war damit nicht nur praktisch, sondern auch ein echter Motor für die eigene Sammelleidenschaft.

Auch heute ist diese Form des Austauschs für viele Sammler von großer Bedeutung. Der Kontakt zum Rundsendeleiter, die Nachricht, dass wieder eine Sendung bereitliegt, oder die Übergabe unter Sammlern zeigen, wie lebendig Vereinsarbeit auch im Kleinen sein kann.

Erinnerungen, die bleiben

Besonders schön bleiben auch die Erinnerungen an die Weihnachtsfeiern der BSV-Jugend, häufig im Martin-Luther-King-Haus. Dort wurde nicht nur gefeiert, sondern auch deutlich, wie viel Mühe sich die Verantwortlichen für die Jugendlichen gaben. Geschenke, Programm und persönliche Zuwendung schufen eine Atmosphäre, die weit über das eigentliche Hobby hinausging.

So ist aus den ersten Briefmarken weit mehr geworden als nur eine Sammlung. Die Philatelie hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch geprägt, begleitet und bereichert. Sie hat den Blick für Details geschärft, Horizonte erweitert und Gemeinschaft erfahrbar gemacht.

Und deshalb bleibt am Ende vor allem eines:

Danke, lieber Herr Georg Kapp. Danke, BSV Speyer.