Speyer 1576: Ein Botenbrief des
Fürstbischofs Marquard von Hattstein
Mit diesem frühen Botenbrief aus dem Jahr 1576 beginnt unsere Reihe „Speyer in alten Briefen“. Der Beleg führt zurück in eine Zeit, in der Speyer nicht nur eine bedeutende Stadt am Rhein, sondern zugleich ein Ort kirchlicher, politischer und rechtlicher Autorität war. Schon dieses eine Schriftstück macht sichtbar, wie eng Kommunikation, Herrschaft und Stadtgeschichte in jener Epoche miteinander verbunden waren.

Am 28. Juni 1576 wurde in Speyer ein Botenbrief des Speyerer Fürstbischofs Marquard von Hattstein an Leonhard von Gemmingen zu Michelfeld im Kraichgau verfasst. Bereits diese knappe Zuordnung verleiht dem Stück besonderes Gewicht. Der Brief ist nicht nur ein bemerkenswert frühes Zeugnis der Speyerer Geschichte, sondern zugleich ein Hinweis auf die Bedeutung der Stadt im 16. Jahrhundert.
Marquard von Hattstein wurde 1529 auf Burg Hattstein im Taunus geboren. Früh für die geistliche Laufbahn bestimmt, durchlief er verschiedene kirchliche Ämter, bevor er nach dem Tod des Speyerer Bischofs Rudolf von Frankenstein im Jahr 1561 dessen Nachfolger wurde. Von besonderer Bedeutung ist, dass er ab 1569 das Amt des Kammerrichters am Reichskammergericht zu Speyer innehatte, eines der höchsten Ämter dieses Gerichts, das er bis zu seinem Tod 1581 ausübte. In seiner Person verbanden sich somit geistliche Würde und politische Verantwortung in eindrucksvoller Weise.

Auch der Empfänger des Briefes tritt nicht zufällig in Erscheinung. Die Familie von Gemmingen stand im Laufe des 15. Jahrhunderts in vielfältigen Beziehungen zur Kurpfalz und zu Speyer. Die dem Beitrag beigefügte Dokumentationsseite weist darauf hin, dass Leonhard von Gemmingen schließlich vollends in den Besitz von Michelfeld gelangte. Damit verweist der Brief zugleich auf jene engen regionalen Verflechtungen, die für die Zeit bezeichnend waren.

Gerade hierin liegt der besondere Reiz dieses Belegs. Er ist weit mehr als ein altes Schriftstück. Er entstammt einer Epoche, in der Briefe Träger von Entscheidungen, Anordnungen und persönlichen wie politischen Beziehungen waren. Noch lange vor der klassischen Briefmarkenära erfolgte die Übermittlung von Nachrichten über Boten; Absender und Empfänger gehörten dabei häufig den führenden geistlichen, adeligen oder verwaltenden Kreisen an. Der vorliegende Brief ist hierfür ein eindrucksvolles Beispiel.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich an diesem einen Beleg mehrere Ebenen zugleich ablesen lassen: die Rolle Speyers als Bischofssitz, die Bedeutung des Reichskammergerichts und die Verflechtung mit dem regionalen Adel. Dadurch gewinnt der Brief eine Aussagekraft, die weit über den einzelnen Schriftwechsel hinausreicht. Er verweist auf die politische und gesellschaftliche Stellung Speyers im 16. Jahrhundert und macht sichtbar, welchen Rang die Stadt in jener Zeit besaß.
Der eigentliche Briefinhalt ist ebenfalls erhalten und eröffnet zusätzliche Einblicke. Für eine vollständige und sichere Auswertung bedarf er jedoch noch einer sorgfältigen Transkription. Schon jetzt lässt sich sagen: Dieser Botenbrief ist weit mehr als nur ein früher Beleg. Er ist ein kleines, aber aussagekräftiges Stück Speyerer Stadtgeschichte.
Mit diesem Beitrag beginnt unsere Reihe „Speyer in alten Briefen“. In den kommenden Folgen möchten wir weitere historische Briefe und Belege vorstellen, die zeigen, wie lebendig, vielschichtig und aufschlussreich sich die Geschichte unserer Stadt anhand alter Post nachvollziehen lässt.